Wir haben in Deutschland viele Reiter,
die gut Pferde ausbilden können,
doch wir haben zu wenige, die Menschen gut ausbilden.
Der Reitsport in Deutschland hat in den letzten Jahrzehnten eine rasante Entwicklung durchschritten.
Angefangen mit der sich stetig verbessernden Pferdezucht über die stark veränderten Ausrüstungsmöglichkeiten am Pferd und weiterem Zubehör bis hin zu den tiermedizinischen sowie physiotherapeutischen Behandlungsmöglichkeiten gibt es kaum einen Bereich, der von dieser Entwicklung ausgespart blieb.
Dennoch ist von namhaften Ausbildern immer wieder zu vernehmen, dass die reiterliche Entwicklung mit diesen Verbesserungen nicht Schritt gehalten hat.
Diese Website wendet sich an interessierte Ausbilderinnen und Ausbilder in Bezug auf Reitunterricht mit Kindern. Sie erhalten einen Eindruck von meiner Methodik und ihrer praktischen Anwendbarkeit. Gerade an der Basis müssen qualifizierte und erfahrene Ausbilder tätig sein, um unsere Jugend gezielt ans Reiten heranzuführen.
Dieser Einblick in meine Methodik beinhaltet einige klar gegliederte und
aufeinander aufbauende Übungen, um Reit-Anfänger von Beginn an
qualifiziert in unterschiedlichen Aufgaben zu unterweisen. Die Übungen basieren auf den Richtlinien für Reiten und Fahren der deutschen Reitlehre und haben sich in der praktischen Anwendung bewährt.
Mein besonderes Augenmerk liegt darauf, Reit-Anfängern von Beginn an eine breit gefächerte Unterweisung anzubieten, um so einer zu frühen Spezialisierung entgegenzuwirken – nur eine breit gefächerte Ausbildung ermöglicht später einen nahtlosen Übergang in eine entsprechende Spezialdisziplin.
Otterndorf, Januar 2019
Diese Worte stammen von keinem Geringeren als Andrew Hoy, dem
dreifachen australischen Olympia-Sieger in der Vielseitigkeit.
Mein Schulungskonzept legt von Beginn an Wert darauf, dass die Kinder Kontrolle über ihr Pony haben, denn nur dann haben sie Freude am Reiten. Die Anforderungen an die Ausführung sind dabei so schlicht gehalten, dass die Kinder von Beginn an fühlen, dass sie durch korrektes Sitzen auch
korrekt einwirken.
Die US-Amerikanerin Anne Kursinski sagte einmal sehr treffend:
„Reiten ist einfach, wir machen es kompliziert.“ Und: „Es gibt nur einen, der dein Reiten verändern kann: Das bist du selbst, sprich, der Reiter.“
Es geht zunächst darum, dass das Kind lernt, rhythmisch zu galoppieren. Verschiedene Zählübungen mit und ohne Blick in die zu reitende Richtung unterstützen den Lerneffekt.
Zur Verbesserung des Rhythmusgefühls können Cavalletti als Hindernisse in der Reitbahn aufgestellt werden. Denn: Springreiten ist Dressurreiten über ein Hindernis mit verkürzten Zügeln und verkürzten Bügeln.
Diese Übung lässt sich auch auf einer Wellenbahn durchführen. Das
fördert das Gleichgewichtsgefühl des Reiters.
Hier geht es darum, dass das Kind lernt, rhythmisch auf einem Zirkel zu
galoppieren. Dafür zählt es „1, 2, 3, 1, 2, 3“ die Galoppsprünge im Rhythmus. Dabei kann es zusätzlich eine Hand in die Hüfte legen.
Eine Variante: Zuhören und Antworten
Das Kind beantwortet während des Galoppierens Fragen wie „Welcher
Wochentag ist heute?“, „Wann hast du Geburtstag?“, „Welche Farbe hat der Himmel?“ etc.
Diese Übung ist eine Steigerung der vorangegangen Lektion. Ein bei X auf-
gestelltes Hindernis soll im Wechsel von beiden Seiten mit eingebautem Handwechsel regelmäßig überwunden werden.
Das Kind soll dabei die Galoppsprünge vor jedem Absprung am Hindernis in sich steigernder Form zählen. Vor dem ersten Sprung zählt es nur den letzten „1“, vor dem zweiten die beiden letzten Galoppsprünge
„1, 2“ etc.
Es muss also immer früher anfangen zu zählen, ohne den Galopprhythmus
zu verändern.
Diese Aufgabe mag zu Beginn etwas knifflig erscheinen, mit zunehmender Routine wird sie jedoch selbstverständlich und ist ein sehr guter
Schulungspunkt für das Auge.
Bei dieser Übung soll das Kind aus einem gleichmäßigen Galopp über ein bei X aufgestelltes Hindernis galoppieren. Der Clou besteht darin, dass das Kind ca. fünf Galoppsprünge vor dem Sprung seinen Blick zu dem an der Seite stehenden Reitlehrer wendet. Das bedeutet: Es muss den Absprung erfühlen, da es ihn nicht sieht.
Auf einem großen Zirkel stehen vier kleine Sprünge – bei 12, 3, 6 und
9 Uhr. Die Aufgabe des Kindes ist es, während des Reitens immer zum übernächsten Sprung zu schauen.
Das Vorausschauen unterstützt – wie beim Balancieren (wer dabei auf die eigenen Füße schaut, wackelt oder fällt) – das Gleichgewicht und den Bewegungsfluss, es vermittelt (auch dem Pferd) die zielgerichtete Fortbewegung ohne Unterbrechungen.
Angelehnt an die vorherige Übung, variiert hier das Kind eine vorgegebene Distanz durch unterschiedliche Tempi in der Galoppsprunganzahl.
Diese Übungen gehören zueinander.
Das Kind soll dabei erkennen, dass es selbst für die vorher festzulegende Anzahl der Galoppsprünge und das Festlegen des Weges verantwortlich ist!
Auf einem großen Zirkel stehen vier kleine Sprünge – bei 12, 3, 6 und
9 Uhr. Die Aufgabe des Kindes ist es, während des Reitens immer zum übernächsten Sprung zu schauen.
Das Vorausschauen unterstützt – wie beim Balancieren (wer dabei auf die eigenen Füße schaut, wackelt oder fällt) – das Gleichgewicht und den Bewegungsfluss, es vermittelt (auch dem Pferd) die zielgerichtete Fortbewegung ohne Unterbrechungen.
Kinder lernen Reiten
Seminare für Ausbilderinnen und Ausbilder
bei Ihnen vor Ort
WAS WIR DAFÜR BRAUCHEN
– eine eingefriedete Reitbahn (Halle)
– 4–6 Cavaletti
– 8–10 Sprünge/Oxer
– interessierte Ausbilder
– 3–4 Kinder mit Ponys zur Demonstration der Übungen/Methodik
– Zuschauer sind willkommen
Für heute Morgen hat sich der zehnjährige Paul mit seinem Pony zur Reitstunde angemeldet. Bevor es losgeht, teilt er mir mit, dass die Reitstunde bitteschön nicht länger als 2 Minuten dauern soll.
10:00 Uhr | pünktlicher Beginn mit Schritt-Tour.
10:00 Uhr | Leichttraben. Während des Leichttrabens erfrage ich von
Paul die technischen Daten der Traktoren aus seinem
elterlichen Betrieb: PS-Zahl, Gewicht, Modelltypen, zusätzlich
wird mir der ideale Trocknungsgrad von Raps mitgeteilt.
10:17 Uhr | Drei verschiedenfarbige Stangen, die sich in der Reitbahn
verteilt befinden, sollen nacheinander überwunden werden.
Die Reihenfolge darf Paul dabei selbst wählen. Wir beginnen
mit der ersten Farbe,
10:24 Uhr | folgt die zweite,
10:29 Uhr | schließlich die dritte Farbe.
10:33 Uhr | Ich rufe Paul zu mir, freue mich über seinen Erfolg und teile ihm
das Ende der Stunde mit.
Pauls Antwort: „Ich will aber noch eine vierte Stange!“
Hurrahhh! …
Später essen wir ein Nutella-Brot.
Andreas Baumann | Pferdewirtschaftsmeister FN
geboren 1959
AUSBILDUNG | bei Hans-Heinrich „Micky“ Brinckmann, Kolkhagen und Anne Kursinski, USA (www.marketstreetinc.com)
aktiver Reiter bis CCI***
25 Jahre Leiter des Ausbildungsstalls Hulingshof
diverse Trainertätigkeiten im In- und Ausland
Andreas Baumann
Lindenweg 1 | 21762 Otterndorf
Telefon | 0171 644 1214
Mail | andreasbaumann@outlook.com
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